Mit Kindern über Corona sprechen

Auch Kinder bemerken die Veränderungen, die das Corona-Virus in unseren Alltag bringt. Wie Sie den Kleinen erklären können, was gerade passiert, erläutert unsere Gastautorin Leonie Lutz. Außerdem gibt sie Tipps, welche Informationsangebote Kinder nutzen können.

Ungewohnter Alltag für die Kleinen

Keine Kita, keine Schule, keine Freunde - insbesondere für Kinder sind die aktuellen Zeiten nicht einfach. Sie spüren: Wir Eltern sind angespannter und die Nachrichten im TV oder Radio laufen häufiger als sonst. Freunde kann man nur übers Telefon erreichen, Oma und Opa nicht besuchen. Und zu Hause knubbelt sich nicht nur das Familien-, sondern plötzlich auch das Schul- und Arbeitsleben.

Für Kinder kann die momentane Lage besonders bedrückend sein. Manche verstehen noch nicht, warum sie so viele Tage und Wochen nicht in den Kindergarten dürfen, fühlen aber die Veränderung. Sie wollen toben und klettern, dürfen aber nicht auf den Spielplatz.

Zur sozialen Komponente kommen neue Wohnsituationen, in denen die Eltern jetzt auch noch arbeiten und die Ungewissheit, wie das mit dem Corona-Virus weitergeht - und wie lange es dauert. Fragen, die Eltern ihren Kindern nicht zufriedenstellend beantworten können. Nicht einmal Experten können das momentan. Und dennoch ist es besonders wichtig, mit Kindern über Corona zu sprechen.

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Unsere Gastautorin Leonie Lutz ist Redakteurin, Bloggerin und Gründerin von "Kinder digital begleiten". Die Mutter von zwei Töchtern schreibt für die DEVK darüber, wie Eltern ihre Kinder in der digitalen Welt begleiten und schützen können.

Leonie Lutz

Gastautorin

Das Gespräch mit Kindern suchen

Kleine Kinder bekommen mehr mit, als wir glauben. Sie haben feine Antennen und wenn wir bei gewissen Themen nicht mit ihnen in den Dialog treten, machen sie sich ihre ganz eigenen Gedanken und vielleicht auch zu viele Sorgen.
Was Kinder mit diesen Gefühlen machen, kann sich individuell ganz unterschiedlich äußern. Auch unsere Kinder hatten so eine Situation noch nie. Und deshalb sollten wir in diesen Tagen besonders behutsam zueinander sein, Verständnis für unsere Kleinsten aufbringen und altersgerecht mit ihnen über Corona zu sprechen.

Eltern können das Gespräch wunderbar mit einer Frage eröffnen und bekommen dann sehr schnell heraus, welchen Wissensstand das eigene Kind überhaupt hat. Man kann dann viel einfacher auf das Kind eingehen und läuft nicht Gefahr, "zu viel" zu erklären. Sondern lediglich das, was das Kind beschäftigt.

Viele Kinder fürchten sich vor dem Virus, können diese Ängste aber nicht konkret benennen. Doch wenn ein Kind dies tun kann, ist es besonders wichtig, die Gefühle nicht zu verneinen oder zu verharmlosen. Es ist okay, dass es sich Sorgen macht. Es ist okay, dass es sauer ist, weil die Kita oder der Spielplatz geschlossen sind. Und es ist auch okay, mal wütend zu sein.

Wenn Kinder ausschließlich Wissensfetzen aufschnappen, zum Beispiel durch die Nachrichten, die Eltern konsumieren, besteht natürlich auch die Gefahr, dass sie sich ihr eigenes Wissensgebilde um Corona bauen. Da fallen dann aber natürlich auch so Begriffe wie "Todesraten" und "Infizierte", die Kinder vielleicht nicht einordnen können.

Deshalb bündle ich später in diesem Ratgeber auch ein paar Tipps für Kinder, welche Informationsangebote man sich gemeinsam anschauen kann. Denn es gibt sehr gute Themenübersichten, die in einfacher Sprache erklären, worum es bei Corona geht.

Kinder brauchen jetzt konkrete Handlungsempfehlungen. Das hilft ihnen nicht nur, sich selbst und andere zu schützen, sondern gibt auch eine gewisse Struktur: Abstand halten, häufiges Händewaschen, in die Armbeuge husten oder niesen.

Meine kleine Tochter singt während des Händewaschens dreimal "Happy Birthday", so hat sie einen Richtwert und weiß, ob sie ihre Hände auch wirklich lange genug gewaschen hat.

Viele Kinder möchten wissen, wer die Kranken gesund pflegt. Ihnen kann man dann von den wichtigsten Berufsgruppen Heldengeschichten erzählen. Bei uns im Haus wohnt zum Beispiel ein Feuerwehrmann. Ich erzähle meiner Tochter, wie Stefan im Rettungsdienst arbeitet und die kranken Menschen in die Krankenhäuser bringt und dass Pfleger, Schwestern, Ärzte sich dann um die erkrankten Menschen kümmern.

Aber natürlich erwähne ich auch, dass nicht alle ins Krankenhaus müssen: Manche Menschen haben das Corona-Virus und merken es noch nicht mal. Und deshalb ist es gerade so besonders wichtig, zu Hause zu bleiben.

Mehr Medienzeit durch Corona

Ob TV oder Internet: Die Medienzeit nimmt aktuell auch bei Kindern zu. Und es ist völlig okay, in einer Situation wie dieser, nicht an starren Regeln festzuhalten. Wir müssen alle die Nerven behalten, auch unsere Kinder.

Daher ist jetzt die Zeit, Kräfte zu schonen und Regeln zu lockern. Es ist nicht schlimm, wenn Kinder an gewissen Tagen mehr Fernsehen gucken als sonst oder häufiger eine Spiele-App nutzen, als die eigentlichen Familienregeln das vorsehen.

Wichtig ist jetzt vielmehr, was Kinder schauen und welche Inhalte sie im Internet, an Tablets oder Smartphones nutzen. Deshalb gibt es in meinem Ratgeber "Gute Kinder-Apps“ hilfreiche Tipps für Eltern und ihre Kinder.

Das Smartphone: Fluch und Segen zugleich

Kinder, die älter sind, haben eigene Smartphones und damit bereits einen ungeschönten Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage. Die Geräte erlauben ihnen aber auch eine digitale Verbindung zu ihren Freunden.

Deshalb sollten wir die Nutzung nicht verbieten, denn auch den älteren Kindern fehlt es jetzt an echter Nähe zu Freundinnen und Freunden.

Kinder, die bereits ein eigenes Smartphone besitzen und WhatsApp nutzen, sollten nun über Kettenbriefe rund um Corona aufgeklärt werden, denn es sind viele Falschmeldungen in den sozialen Netzwerken unterwegs.

Falschmeldungen enttarnen

  • swrfakefinder.de bietet eine spielerische Variante, bei der bereits Grundschüler lernen, Fake-News zu erkennen.
  • mimikama.at (www.mimikama.at) ist ein österreichischer Verein zur Aufklärung von Fake-News. Hier können Eltern nachforschen, was es mit Kettenbriefen und Falschmeldungen rund um Corona auf sich hat.

Corona kindgerecht erklärt

Kindergeburtstag in Zeiten von Corona

Im April wird es auch meine Tochter treffen, sie feiert ihren sechsten Geburtstag. Ohne Omas und Opas, ohne Tanten und Onkel und ohne ihre Freunde. Geburtstage sind für Kinder besonders wichtig. Daher werde ich diesen Tag wie immer zu einem ganz besonderen Tag machen.

Und auf die Idee zurückkommen, die "die Maus" empfiehlt: Wir laden uns "die offizielle Erlaubnis zum Nichtfeiern" (www.wdrmaus.de) runter, eine Art Glückwunschkarte von der Maus höchstpersönlich.

Ein neuer Alltag in der Krise

Aktuell wissen wir noch nicht, wie lange uns Corona begleiten wird. Schonen wir also unsere Kräfte, stärken wir unsere Kinder.

Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für starre Regeln und Perfektionismus. Wir müssen jetzt gut zu uns sein, damit wir für unsere Kinder, ihre Bedürfnisse, Gedanken und Sorgen da sein können.